Kriegsjahre und die Entwicklungen bis in die Gegenwart

24. Januar 2010

von Hannelore Volk

Von der Bierbrauerei Böttinger zum Holzwurm –

Brauereiwesen und Gaststätten an der Darmstädter Straße in Auerbach

6. Kapitel

Da die verschiedenen Hotels und Gaststätten in den Kriegsjahren ihre Säle als Lazarett zur Verfügung stellen mussten, konnten diese nicht für Feiern genutzt werden. Von 1936 bis zum Kriegsende wurde die Gaststätte „Zum Schützenhof“ von der Familie Bornmann geführt. Frau Bornmann war sehr beliebt und wenn man in Auerbach von ihr sprach, nannte man sie nur „Mutti“. Wegen der Zugehörigkeit ihres Mannes zur NSDAP wurde das Lokal aber nach dem Krieg geschlossen. Bereits 1941 hatte unterdessen Wilhelm van Pee das Grundstück (Neue Nummer 17) erworben und führte den Kinobetrieb fort.

1950 eröffnete er zusammen mit seiner Frau in dem Räumen des ehemaligen Schützenhofes das „Wiener Kaffee Jedermann“. Nach seinem Tod Ende 1951 führte seine Ehefrau das Kaffee noch kurze Zeit weiter. Anfang 1952 gab sie es dann jedoch an Wilhelm Krauss ab, der dem Lokal wieder den Namen „ Schützenhof“ gab. Von Anfang 1953 bis 1970 wurde die Gaststätte von Christel Ritsert (der in Auerbach unter dem Namen Eis-Christel bekannt war) geführt. Der Kinobetrieb wurde schließlich 1964 eingestellt und die Handelskette COOP eröffnete einen Einkaufsmarkt in dem ehemali­gen Brauereisaal. Heute betreibt die Firma Schlecker dort einen Drogeriemarkt. Das Anwesen ist immer noch im Familienbesitz und hat seit den 50er Jahren die Hausnummer 183. Derzeit wird die Gaststätte unter dem Namen „Zum Holzwurm“ von der Farn. Ramsauer mit deutsch-österreichischer Küche geführt.

Quellen und Literatur:

Stadtarchiv Bensheim, Stadtarchiv Worms, Staatsarchiv Darmstadt, Familie Lerch Dornheim, Arbeitskreis Geschichte im hgv Dornheim, BA

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Neue Nutzung durch die Brauerei – Kino in Auerbach

24. Januar 2010

von Hannelore Volk

Von der Bierbrauerei Böttinger zum Holzwurm –

Brauereiwesen und Gaststätten an der Darmstädter Straße in Auerbach

5. Kapitel

Außer den örtlichen Fest- und Tanzveranstaltungen wurden im Saal der Brauerei auch Ausstellungen präsentiert und immer öfter auch Filme (Wanderkino) vorgeführt. Die Gemeinde lehnte es noch 1925 ab, ein Kino in Auerbach zu genehmigen. Zur Begründung führt man aus, dass die Jugenderziehung in hohem Maße darunter leiden würde. Margarethe Orlovius und Elisabeth Steinbeck gründeten dann aber schon 1926 ein Lichtspieltheater mit 200 Plätzen. Die Vorstellungen fanden an zwei Tagen in der Woche in dem Brauereisaal statt. Von dem Kinobetrieb profitierte auch die öffentliche Hand, denn die Vergnügungssteuer betrug damals 12 Mark im Monat. 1927 entstand der erste Tonfilm und der Erfolgszug der Kinos begann. Sebastian Weilmünster, der in Bensheim bereits ein Kino betrieb, übernahm 1930 die Lichtspiele in Auerbach und baute einen Vorführraum an. Das Anwesen hatte jetzt die Hausnummer 23. Ab dem Jahr 1935 wurde der Kinobetrieb von Wilhelm van Pee übernommen.


Guntrum übernimmt Brauerei und Gaststätten

24. Januar 2010

von Hannelore Volk

Von der Bierbrauerei Böttinger zum Holzwurm –

Brauereiwesen und Gaststätten an der Darmstädter Straße in Auerbach

4. Kapitel

Im Jahre 1919 erwarb Louis Philipp Guntrum, Brauereibesitzer in Bensheim, für 155.000,- Mark das Brauereiwesen in Auerbach von der Badischen Brauerei AG. Inzwischen gehörten neben der Gastwirtschaft „Zum Schützenhof“ weitere Gaststätten zur Brauerei Böttinger, die ebenfalls in den Besitz von L. P. Guntrum übergingen:

1. die Gaststätte „ Zum Auerbacher Schloß“ die spätere Gastwirtschaft „Wuchenauer“ in Auerbach

2. die Gaststätte „ Zur Stadt Zwingenberg“ in Zwingenberg

3. die Gaststätte „ Zum grünen Kranz“ in Heppenheim

4. die Gaststätte „ Zur Bergstraße“ in Zwingenberg

Der „Schützenhof“ wurde damals von Peter Brenner geführt.

Fritz Eitel Hallwachs und Heinrich Schroth erwarben 1924 das gesamte Grundstück Darmstädter Str. 23 (heute 183). Noch im gleichen Jahr wurde der 30 Meter hohe Kamin abgerissen. Es wurden weiterhin viele Festlichkeiten auf dem Anwesen gefeiert. 1925 beispielsweise fand im Gartenlokal das Abschlussfest des Hermannslaufes statt. Nach dem Tod von Louis Philipp Guntrum am 7. Juni 1925 ging die Bierbrauerei Böttinger in den Besitz seiner Witwe Ottilie Guntrum, geb. Hoffmann, über. Ab wann in der Brauerei Böttinger in Auerbach kein Bier mehr gebraut wurde,  ist unbekannt. Die Brauerei selbst blieb noch bis 1934 im Besitz des Unternehmens J. A. Guntrum.


Die Brauerei geht in andere Hände über

24. Januar 2010

von Hannelore Volk

Von der Bierbrauerei Böttinger zum Holzwurm –

Brauereiwesen und Gaststätten an der Darmstädter Straße in Auerbach

3. Kapitel

Schon 1906 wurde die Brauerei Böttinger (vermutlich wegen Geldnot) an die Badische Brauerei Aktiengesellschaft (AG) in Mannheim verkauft, behielt aber ihren Namen. Am 12. Februar 1906 schloss man in dem Großherz. Notariat Ludwig Mathes in Mannheim folgenden Abtretungsvertrag ab:

„Jean Gehrig und Georg Breidenbach treten die Firma „Böttinger’s Bierbrauerei“ an die „Badische Brauerei“ in Mannheim ab“. Der Vertrag hatte folgenden Inhalt: 15. Juni 1906 In das Handelsregister Abt. B des unterzeichneten Gerichts wurde betreffs der Firma Böttinger’s Bierbrauerei Jean Gehrig & Comp. Gesellschaft mit beschränkter Haftung Auerbach heute folgender Eintrag vollzogen; Spalte 5: Direktor Richard Sauerbeck alleiniger Vorstand der Bd. Brauerei zu Mannheim Jakob Viehmann ist zum Geschäftsführer benannt (15.V.1906) er ist berechtigt, mit dem seitherigen Geschäftsführer Georg Breidenbach die Firma zu vertreten. Jean Gehrig ist als Geschäftsführer ausge­schlossen. 1) in Spalte 7: Die Stammanteile des Jean Gehrig und Georg Breidenbach, beide zu Auerbach, mit je 55.000 M, gleich dem Stammkapital, sind an die Badische Brauerei

Aktiengesellschaft zu Mannheim übergegangen.

Zwingenberg, den 6.6.1906   Großherzogliches Amtsgericht“

Am 2. Juni 1906 wurde Jean Gehrig mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer der Brauerei Böttinger entlassen und Herr Jacob Viehmann wurde als zweiter Geschäftsführer eingesetzt. Im gleichen Jahr wird die zu der Brauerei gehörende Gaststätte „Zum Schützenhof“ mit dem dazugehörigen Saal zum ersten Mal gesondert an einen Gastwirt verpachtet. In der Zeitung Bergsträßer Bote erscheint eine Reklameanzeige mit dem Namen Wilhelm Schmidt.

Die Witwe Marie Böttinger kaufte in diesem Jahr das Anwesen gegenüber der Brauerei, heute Darmstädter Str. 188 (Praxis Dr. Fuchs), in dem später der Geschäftsführer und Prokurist Georg Breidenbach bis 1909 wohnte. Anschließend wurde das Haus an Dr. Ludwig Boßler verkauft. Ebenfalls 1906 kaufte Frau Böttinger die Gaststätte „Zum Auerbacher Schloß“, die spätere Gaststätte „Wuchenauer“, in der Schlossstr. 19.

Außerdem erwarb sie in diesem Jahr in Bensheim die Gaststätte „Zum Bürgerlichen Brauhaus“. Die Gaststätte musste sie aber 1908 schon wieder an den vorherigen Eigentümer rückübertragen, da ihr Schwiegersohn Jean Gehrig, der das Lokal mit ihr führte, 10.000 Mark entwendete. Er wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verur­teilt, aber relativ schnell wieder aus der Haft entlassen. Gehrig ging dann nach Amerika. Das Gasthaus geriet in Konkurs. Frau Marie Böttinger hat dadurch alles verloren und verließ Auerbach. Sie fand Aufnahme bei der Familie ihrer Tochter Marie Luise Katharina, die mit dem Arzt Dr. Carl Gergen in Worms verheiratet war. Dr. Gergen hat in der Zeit von 1894 bis Anfang 1900 in Auerbach eine Arztpraxis betrieben, zuletzt in der Darmstädter Str. 221. Dort ließ er sich von dem Architekten Heinrich Metzendorf eine Villa erbauen.

1909 wurde Julius Riebel (Kaufmann in Mannheim) als weiterer Geschäftsführer der Brauerei eingesetzt, Georg Breidenbach hingegen schied am 31. März 1911 als Geschäftsführer aus.


Eisenbahnbau stärkt den Fremdenverkehr – weitere Expansion der Böttingerschen Brauerei

24. Januar 2010

von Hannelore Volk

Von der Bierbrauerei Böttinger zum Holzwurm –

Brauereiwesen und Gaststätten an der Darmstädter Straße in Auerbach

2. Kapitel

Durch die Fertigstellung der Bahnlinie Main-Neckar-Bahn 1846 und des Auerbacher Bahnhofes 1851 wurde die Bergstraße und dabei insbesonders Auerbach mit seiner Burgruine „Auerbacher Schloss“ und dem Fürstenlager zu einem beliebten Ausflugsziel. Aus alten Broschüren kann man entnehmen, dass täglich ungefähr 17-8 Personenzüge in Auerbach hielten. Der Bahnhof war von 4:00 Uhr morgens bis 1:00 Uhr nachts geöffnet. In dieser Zeit konnte man auch Telegramme mittels Bahntelegraphen versenden. Fremdenverkehr und Gastronomie in Auerbach profitierten von den verbesserten Verkehrsbedingungen.

1896 wurde die Gaststätte „Zum Schützenhof“ durch einen großen Saal ergänzt. Außerdem wurde eine überdachte Halle in dem großen Biergarten aufgestellt. Im selben Jahrkaufte Heinrich Böttinger ein weiteres Anwesen in Auerbach. Das Grundstück hat heute die Hausnummer 191 (Eisdiele Darmstädter Straße bis zum Jahre 2007). Da die Wohnmöglichkeiten in der Brauerei sehr eingeschränkt waren, ist zu vermuten, dass Heinrich Böttinger mit seiner Familie dort wohnte. Die Geschäfte gingen unter dessen weiterhin gut. So berichtete die Presse (Bergsträßer Anzeigenblatt BA) am 8. Juni 1897, dass an beiden Pfingstfeiertagen für 1.500 Personen in Böttingers Brauerei nicht weniger als 22 Hektoliter, somit 2.200 Liter Bier, ausgeschenkt wurden.

Von Interesse dürfte in diesem Zusammenhang auch eine Meldung im BA vom 3. September 1898 sein, wonach die Ernte des Hopfens, also eines wichtigen Rohstoffes für das Bierbrauen, an der oberen Bergstraße Ende August begonnen hatte. Auf der Straße von Bensheim nach Heppenheim konnte man in jenen Tagen noch lange Hopfenstangen sehen. Es wurde von einer lebhaften Nachfrage berichtet und der Zentner kostete 100 bis 110 Mark. Am 8. November 1898 vermeldete die Zeitung sogar, dass man eine „wahre Völkerwanderung“ nach Auerbach beobachten konnte. Die Bahnzüge brachten große Mengen von Besuchern an die Bergstraße. Die Restaurants sollen fast überfüllt gewesen sein. Auch die Tanzlokale erwiesen sich als wahre Besuchermagnete. Am 29. Mai 1899 verstarb Heinrich Böttinger nach einer langen Krankheit und das Anwesen ging in den Besitz von Frau Böttinger über. Er wurde, wie später auch seine Frau, in der unmittel­baren Nähe der Bergkirche Auerbach begraben. Der Grabstein ist heute noch vorhanden.

Inzwischen gab es in Auerbach Straßennamen und das Grundstück wurde als Haupt­straße 65 geführt. Noch im Jahre 1899 überschrieb Frau Böttinger das Anwesen ihrer Tochter Marie und deren Verlobten, den Bierbrauer Jean Gehrig. Marie Böttinger und Jean Gehrig heirateten im gleichen Jahr. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Jean Gehrig nahm Investitionen in Angriff, die noch von seinem Schwiegervater geplant wurden. 1899 erteilte ihm das Großherzogliche Hess. Kreisamt die Erlaubnis zur Errichtung eines Schornsteines und 1902 die Genehmigung zur Aufstellung eines Dampfkessels. Am 6. November 1904 trat Georg Breidenbach als Gesellschafter in die Brauerei Böttinger ein. Die Brauerei wurde nunmehr unter dem Namen „Böttingef s Bierbrauerei Jean Gehrig und Comp.“ geführt. Der Sitz der Gesellschaft war Auerbach. Die Gesellschafter waren mit folgendem Stammkapital beteiligt: Jean Gehrig und Georg Breidenbach mit je 55.000 Mark.

Im Zuge der Vergrößerung der Brauerei und der Aufstellung eines neuen Dampfkessels wurde das Nachbargrundstück (Darmstädter Str. 181 heute „Die Goldene Gerste“) 1905 dazugekauft und es wurde in dem damaligen Gebäude ein Büro eingerichtet. Die Bierfässer mussten täglich mit Pferdekutschen in die verschiedenen Gaststätten ausge­liefert werden. Um für den Pferdestall und die Wagenhalle Platz zu schaffen, mussten riesige Erdmassen abgetragen werden, da die hinteren Flächen der beiden Grundstücke (Darmstädter Str. 181 und 183) sehr steil waren. Außerdem wurde eine Halle für Fässer errichtet. Zeitgenössischen Dokumenten kann entnommen werden, dass viele jungen Brauer ähnlich den Zimmerleuten auf „Wanderschaft“ gingen und nur kurze Zeit (2 bis 3 Monate) bei einer Brauerei beschäftigt waren. Ein Brauer verdiente damals zwischen 9 und 12 Mark wöchentlich. Oft waren gleichzeitig bis zu 4 Brauer in einer Brauerei beschäftigt.