Die Brauerei geht in andere Hände über

von Hannelore Volk

Von der Bierbrauerei Böttinger zum Holzwurm –

Brauereiwesen und Gaststätten an der Darmstädter Straße in Auerbach

3. Kapitel

Schon 1906 wurde die Brauerei Böttinger (vermutlich wegen Geldnot) an die Badische Brauerei Aktiengesellschaft (AG) in Mannheim verkauft, behielt aber ihren Namen. Am 12. Februar 1906 schloss man in dem Großherz. Notariat Ludwig Mathes in Mannheim folgenden Abtretungsvertrag ab:

„Jean Gehrig und Georg Breidenbach treten die Firma „Böttinger’s Bierbrauerei“ an die „Badische Brauerei“ in Mannheim ab“. Der Vertrag hatte folgenden Inhalt: 15. Juni 1906 In das Handelsregister Abt. B des unterzeichneten Gerichts wurde betreffs der Firma Böttinger’s Bierbrauerei Jean Gehrig & Comp. Gesellschaft mit beschränkter Haftung Auerbach heute folgender Eintrag vollzogen; Spalte 5: Direktor Richard Sauerbeck alleiniger Vorstand der Bd. Brauerei zu Mannheim Jakob Viehmann ist zum Geschäftsführer benannt (15.V.1906) er ist berechtigt, mit dem seitherigen Geschäftsführer Georg Breidenbach die Firma zu vertreten. Jean Gehrig ist als Geschäftsführer ausge­schlossen. 1) in Spalte 7: Die Stammanteile des Jean Gehrig und Georg Breidenbach, beide zu Auerbach, mit je 55.000 M, gleich dem Stammkapital, sind an die Badische Brauerei

Aktiengesellschaft zu Mannheim übergegangen.

Zwingenberg, den 6.6.1906   Großherzogliches Amtsgericht“

Am 2. Juni 1906 wurde Jean Gehrig mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer der Brauerei Böttinger entlassen und Herr Jacob Viehmann wurde als zweiter Geschäftsführer eingesetzt. Im gleichen Jahr wird die zu der Brauerei gehörende Gaststätte „Zum Schützenhof“ mit dem dazugehörigen Saal zum ersten Mal gesondert an einen Gastwirt verpachtet. In der Zeitung Bergsträßer Bote erscheint eine Reklameanzeige mit dem Namen Wilhelm Schmidt.

Die Witwe Marie Böttinger kaufte in diesem Jahr das Anwesen gegenüber der Brauerei, heute Darmstädter Str. 188 (Praxis Dr. Fuchs), in dem später der Geschäftsführer und Prokurist Georg Breidenbach bis 1909 wohnte. Anschließend wurde das Haus an Dr. Ludwig Boßler verkauft. Ebenfalls 1906 kaufte Frau Böttinger die Gaststätte „Zum Auerbacher Schloß“, die spätere Gaststätte „Wuchenauer“, in der Schlossstr. 19.

Außerdem erwarb sie in diesem Jahr in Bensheim die Gaststätte „Zum Bürgerlichen Brauhaus“. Die Gaststätte musste sie aber 1908 schon wieder an den vorherigen Eigentümer rückübertragen, da ihr Schwiegersohn Jean Gehrig, der das Lokal mit ihr führte, 10.000 Mark entwendete. Er wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verur­teilt, aber relativ schnell wieder aus der Haft entlassen. Gehrig ging dann nach Amerika. Das Gasthaus geriet in Konkurs. Frau Marie Böttinger hat dadurch alles verloren und verließ Auerbach. Sie fand Aufnahme bei der Familie ihrer Tochter Marie Luise Katharina, die mit dem Arzt Dr. Carl Gergen in Worms verheiratet war. Dr. Gergen hat in der Zeit von 1894 bis Anfang 1900 in Auerbach eine Arztpraxis betrieben, zuletzt in der Darmstädter Str. 221. Dort ließ er sich von dem Architekten Heinrich Metzendorf eine Villa erbauen.

1909 wurde Julius Riebel (Kaufmann in Mannheim) als weiterer Geschäftsführer der Brauerei eingesetzt, Georg Breidenbach hingegen schied am 31. März 1911 als Geschäftsführer aus.

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