Seit 25 Jahren Stadtteildokumentation in Bensheim

5. November 2012

Bericht des Bergsträßer Anzeigers:

Seit 25 Jahren Vergangenes mit der Gegenwart verknüpft

AUERBACH. Der 25. Geburtstag der Stadtteildokumentation Bensheim ist Beleg für ein dicht gewebtes Netzwerk von unermüdlich forschenden und archivierenden „Netzwerkern“. Dass es in seinem so langen Zeitraum zwischendurch einmal zu kurzfristigen Ermüdungserscheinungen und zur vorübergehenden Erschlaffung kommt, liegt in der Natur der Sache.
Dass nicht in allen Stadtteilen gleich viele, bis in die Haarspitzen engagierte Geschichts- und Geschichtenforscher in ihrer Freizeit in alten Dokumenten, Kellern und auf Dachböden stöbern, aussortieren, dokumentieren und schließlich der Öffentlichkeit präsentieren, ist auch eher normal. Entscheidend ist letztendlich, dass es dem Stab an ehrenamtlichen Mitarbeitern gelingt, die Identität ihres Stadtteils aufzuspüren, festzuhalten und – für ein stimmiges Gesamtbild – die Erinnerung an Vergangenes wach zu halten. In fast allen Stadtteilen ist dies der Fall – von Zell, das vor 25 Jahren den Anfang gemacht hat, bis Hochstädten, das jährlich zu einer Ausstellung mit Schwerpunktthema einlädt.
Für die Stadt war das Silberne Jubiläum ein Grund zum Feiern und Danke zu sagen. Bürgermeister Thorsten Herrmann rühmte beim Festakt im Bürgerhaus Kronepark die bei ihrer Gründung „einzigartige Einrichtung“ sowie die Gründungsväter und Motoren der Stadtteildokumentation, zu denen er neben Ehrenbürgermeister Georg Stolle auch Ehrenstadtrat Volker Feick zählte: „Sie alle haben ein Stück Geschichte geschaffen“, stellte er unmissverständlich fest.
Hermann erwähnte in diesem Zusammenhang ebenso die Ortschroniken von Zell, Gronau, Schwanheim, Langwaden, Schönberg und zuletzt Hochstädten, die ohne die grundlegenden Forschungen der ehrenamtlich tätigen Arbeitskreise in dieser Tiefe nicht möglich gewesen wären. Er wünschte sich, dass sich die Stadtteile ihrer eigenen Identität bewusst sind und bleiben und gleichzeitig ihre Stärke in den Gesamtverbund der Stadt mit einbringen.
Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann die Zukunft menschlich gestalten. Diesen von vielen zitierte Satz des Sozialisten August Bebel hatte Volker Feick an den Beginn seines Rückblicks gestellt, in dem er die, von Anbeginn an reibungslose Zusammenarbeit der Arbeitskreise mit Parlament, Verwaltung und Archiv hervor hob. Er sprach von einem „Gesprächskreis der Wohlgesonnenen“ und engagierten Ehrenamtlichen. 1987 wurden die „Richtlinien für die Erstellung von Stadtteildokumentationen“ vom Magistrat geschlossen. Das Ergebnis: „Eine einmalige Erfolgsgeschichte für die Stadt und ihre Bürger“.
Wesentlichen Anteil am Aufwärtstrend sprach Feick dem Leiter des städtischen Archivs, Manfred Berg und dem Team Stadtkultur mit seinem Leiter Thomas Herborn zu. Darüber hinaus sprach er stellvertretend für alle Mitarbeiter der Arbeitskreise Berthold Mäurer, Dr. Rolf Reutter, Veronika Finn und Ursula Seeliger sowie Klaus Seeger, Werner Borger, Wolfgang Ritsert, Manfred Filbert und Hans Kilian seinen Dank aus.
„Die Verantwortung für den Erhalt der historischen und kulturell bedingten Individualität der Stadtteile Bensheims führt zu einem Reichtum, mit dem die Stadt wuchern kann“, zitierte er aus dem Hochstädter Heimatbuch den langjährigen Leiter des Hochstädter Arbeitskreises, Herbert Fuchs.
„Es gibt keine endgültige Darstellung von Geschichte“, führte Dr. Rolf Reutter den Festgästen in seinem Vortrag vor Augen und schickte eine Mahnung gleich hinterher: Durch Ideologien, Kriege und Vergessenheit sei die geschichtliche Darstellung gefährdet. In seinem Festvortrag „500 Jahre ortskundliche Forschung im Rhein-Main-Neckar-Raum“ machte Reutter deutlich, wie wichtig es ist „Vergangenes zu bewahren“. Dies werde unter anderem erreicht durch Denkmäler, Sammlungen, Museen und Schriften.
Zwischen gestern und heute zählte der Referent aber noch zahlreiche weitere Aktionen auf, bei denen „Fleißarbeiter“ ein umfangreiches Schriftgut, Wanderführer, Jahresbücher, Chroniken veröffentlicht und Familien- und Ahnenforschung betrieben haben. Ab dem Jahr 1840 sei die Region Bergstraße/Odenwald/Ried mit einer ungeheuren Fülle an Wanderführern geradezu überschwemmt worden. Auch die Bensheimer und Bergsträßer Geschichtsblätter und die Mitteilungen des Museumsvereins Bensheim verfolgten das Ziel, Vergangenes mit der Gegenwart zu verknüpfen.
Als Ortschronisten von Format benannte er unter anderem Karl Henkelmann, Peter Knapp, Richard Matthes sowie zuletzt Rainer Maaß und Manfred Berg. Karl und Dieter Blüm hätten sich ebenfalls um die Heimatgeschichte verdient gemacht. Musikalisch gestaltet wurde der Festakt vom Trio Sereno aus Auerbach. gs
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 05.11.2012

 

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