„Historischer Spaziergang durch Auerbach“ – Der Bergsträßer Anzeiger berichtet

STADTTEILDOKUMENTATION:

Neunte Ausstellung beschäftigt sich mit Ludwigstraße, Bergkirche und Fürstenlager

AUERBACH. „In diese Fußstapfen werde ich treten“, bemerkte Peter Jenal, Ortsvorsteher von Gronau am Rande der Auerbacher Stadtteildokumentation. Er war nicht der einzige Gast, der sich animiert sah, der im „historischen Reiseführer“ aufgezeigten Route zu folgen.

Das Team um Hannelore Volk öffnete mit mehr als 400 Dokumenten und Bildern die Türen zu einem kleinen, spannenden Ausschnitt in der Auerbacher Gemarkung.

Der „Spaziergang“ von der Ludwigstraße über die Bergkirche ins Fürstenlager zeigt eine Vielzahl an Besonderheiten und historischen Raritäten auf. Die Besucher der Vernissage am Donnertag im Bürgerhaus Kronepark zollten den „Machern“ der neunten Auflage ein großes Lob.

Die Befürchtung, dass aufgrund der B 3-Baustelle weniger Gäste vorbeischauen könnten, zerschlug sich schnell. Alteingesessene wie Zugezogene und Interessierte begaben sich auf einen spannenden Rundgang, der sich durch die vielfältige Materialsammlung als eine historische Fundgrube und antiquarische Schatztruhe erwies.

Villen und Bauernhöfe

Alexander Klemm gab eingangs einen kurzen Abriss zur Ausstellung. Sein Rundgang startete in dem sich ab Ende des 19. Jahrhunderts entwickelnden Wohngebiet an der Ludwigstraße.

Hier siedelten sich neben den Villen auch Gewerbebetriebe und Bauernhöfe an. An der Ecke Schönberger Straße fanden die Auerbacher im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ Geselligkeit. „Trinkt die guten Guntrum-Biere“ wirbt noch der Banner über dem Biergarten.

Die Bilder zeigen nicht nur die Architektur von historischen Bauten und kleinen Familienhäuschen, sondern auch das Leben von gestern und heute. Ein Schwarz-Weiß-Foto bildet einen kleinen Lausbuben ab, der sich als Reiter auf seinem Hausschwein versucht. Peter Keil, Postbote in den 20er Jahren, schiebt sein mit einem großen Flechtkorb beladenes Gefährt durch die Straße.

Und die Familie Wilhelm Friedrich Kolmer hat sich im Emmental ein Naturrefugium mit Maulbeerbäumen aufgebaut, deren Blätter das Grundnahrungsmittel ihrer Seidenraupen waren. Innerhalb von 20 Jahren sollen sie etwa eine Tonne Seide produziert haben.

Ein ehemaliger Auerbacher von der Ludwigstraße, Peter Mumm, hatte das Leben während der Kriegs- und Nachkriegszeit in einem Buch beschrieben. Die derzeitigen Besitzer entdeckten ein verwaistes Exemplar auf dem Dachboden und übergaben es Sieglinde Rindfleisch von der Stadtteildokumentation. Auf einer Tafel ist ein Ausschnitt aus dem Werk abgedruckt.

Renneisen und Sasson

An der Ludwigstraße wohnt auch Schauspieler Walter Renneisen. Neben den Einblicken in die Biografie zeigen ihn einige Aufnahmen in Aktion, wie er gerade die Dichtung in Szene setzt. Am Westhang der Weinlagen am Altarberg lebt die Opernsängerin Deborah Sasson, die an der Metropolitan Opera in New York debütierte, am Broadway sang und in Opernhäusern von San Francisco bis London aufgetreten ist.

Eine weitere wichtige Station war die Bergkirche. Neben den Bildern aus der Geschichte des Gotteshauses und der evangelischen Gemeinde sowie einem Modell des Bauwerks waren architektonische Zeichnungen zu sehen. Die Bergkirche, die vermutlich um 1479 erbaut wurde, wirke wie eine „Krönung des Ortsteils“, beschrieb Alexander Klemm.

Über einen schmalen Waldweg geht es zum westlichen Hang des Altarberges. Die Aussicht reicht von hier über das gesamte Stadtgebiet bis ins Rheintal nach Worms und zu den Höhenzügen des Hardtgebirges.

Das als kleines Dorf angelegte Fürstenlager blieb seinerzeit als Sommerresidenz dem Darmstädter Hof vorbehalten. Heute steht die idyllische Parklandschaft den Besuchern offen. Dass die Allgemeinheit das Kleinod rege genutzt hat, wird in diversen Dokumenten deutlich. Beispielsweise präsentierten sich auf der Herrenwiese die Mitglieder eines Sportvereins in den 20er Jahren in akrobatischen Posen.

Fazit: Die Stadtteildokumentation legt in ihrer neunten Ausstellung wieder eine spannende Auswahl an Dokumenten vor, die selbst die weit zurückliegende Zeit stets mit Leben füllt. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 20.04.2013

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: