Die alte Darmstädter Straße im neuen Licht

13. April 2014

Große Resonanz auf die zehnte Ausstellung der Stadtteildokumentation im Bürgerhaus Kronepark

Viele Menschen schieben sich an den Stellwänden vorbei, erinnern sich, wundern sich, staunen, diskutieren. Ein Bild, das die Vernissage der Stadtteildokumentation am Donnerstag begleitete. Schon zur Eröffnung der zehnten Ausstellung, die das Team um Hannelore Volk aufgelegt hatte, strömten die Massen ins Bürgerhaus.

Mehr als 400 Dokumente

In über 400 Bildern und Dokumenten spannte sich der geschichtliche Bogen über mehrere Jahrhunderte. Die Initiatoren kramten wieder eine einzigartige Fülle an alten Schätzen aus und füllten sie mit neuem Leben. Gebäude, die schon vor Jahrzehnten der Spitzhacke zum Opfer fielen, Villen, von Metzendorf oder anderen bekannten Architekten konzipiert, größere Unternehmen oder der Krämerladen um die Ecke: Gerade durch die Fülle an Hintergrundinformationen wurde die Vergangenheit greifbar nah.

Die Aha-Erlebnisse vieler Besucher blieben nicht aus. Und so mancher rückte das Bild, das er vom Straßenzug entlang der Darmstädter Straße im Kopf hatte, zurecht. „Ich wusste überhaupt nicht, dass das Seyferth’sche Haus gar nicht der Gemeinde geschenkt, sondern verkauft wurde“, staunten einige.

Von Chinin-Fabrik bis Papierwerk

Im Süden von Auerbach die Chinin-Fabrik der Familie Seyferth, die ein Präparat zur medizinischen Behandlung von Malaria und zum Senken des Fiebers herstellte, und im Norden die Papierfabrik Cepega, auf deren Gelände zuvor Marie-Luise Heuck eine in der Welt des Sports durchaus anerkannte Pferdezucht betrieben hatte.

Auch wenn von ihr die Eselsdame Linchen kam, die oft in Auerbach allein unterwegs war, hier und dort übernachtete, aber immer den Weg zum Stall zurückfand. Marie-Luise Heuck stammte aus der Gründerfamilie der IG-Farben, die seinerzeit das größte Chemieunternehmen der Welt und Vorgänger der Großkonzerne Höchst, Bayer und BASF war. Bei Kriegsbeginn 1939 wurden ihre Pferde enteignet. Ihre Lieblingstiere ließ sie lieber erschießen, als in fremde Hände zu geben.

Nach dem Krieg beabsichtigte sie, ein Reitinstitut zu eröffnen. Dafür bekam sie keine Erlaubnis, verkaufte 1949 das gesamte Anwesen und zog in den Schwarzwald. Carl Günther baute hier das Papierunternehmen auf. Noch in den 90er Jahren beschäftigte er rund 50 Mitarbeiter. Heute ist das Gelände „Im Wolfsgarten“ bebaut.

Zwischen den beiden Betrieben am Eingang und Ausgang von Auerbach pulsierte das Leben. Es reihten sich Handwerk, Brauereien, Gastronomie, Hotellerie und Krämerläden aneinander. Filme liefen dort über die Kinoleinwand, wo heute die leere „Schaufensterhöhle“ des ehemaligen Schlecker-Markts steht. Gleich daneben befand sich die Brauerei Böttinger und ein bisschen weiter nördlich die ehemalige Schmiede, ein Fachwerkhaus mit einem Zugang über schöne Torbögen.

Die Darmstädter Straße als Lebensader des Luftkurortes war vor 60 Jahren noch eine von Linden gesäumte Allee, die sich heute als ein Zusammenwurf von moderner und gewachsener Architektur im Zeichen der Zeit präsentiert. Etliche trauern noch dem „Scharfen Eck“ an der Einmündung Bachgasse nach. Bis hinunter zum Diefenbachweg reihte sich die Geschäftsmeile mit Krämerladen, Bäckerei und Kneipe. All das ist der Spitzhacke zum Opfer gefallen, die mehr Raum für eine breitere B3 schuf.

Hier ist nichts mehr vom Charme vergangenen Zeiten geblieben. Das „Eck Bachgasse“ hatte Karl Kegelmann nach fotografischen Vorlagen in Miniatur rekonstruiert. So wie es früher einmal aussah: Ein mehrere Meter langes Modell von dem Straßenzug, in dem das Fachwerk dominierte. Es wurde zu einem Renner der Ausstellung.

Alteingesessene tauschten ihre Erinnerungen aus, Zugezogene erahnten den Charme, der hier einst geherrscht haben musste. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 12.04.2014

Besucher bewundern das Modell

Besucher bewundern das Modell

Alte Fotos, Postkarten, Amateurkunst

Alte Fotos, Postkarten, Amateurkunst

Die Ausstellung wurde schon am ersten Abend stark frequentiert.

Die Ausstellung wurde schon am ersten Abend stark frequentiert.

Einmündung Bachgasse

Einmündung Bachgasse (Modell von Karl Kegelmann)

Die alte Schmiede

Die alte Schmiede

Kronehotel 1907

Kronehotel 1907

Die Brücke am Hotel Krone: "Krone-Brück" Das Aquarell von Wilhelm Merck (reproduziert) ist eine Wiedergabe der Auerbacher Örtlichkeit "Partie an der Krone" gemalt 1816. Die ursprüngliche Straßenbrücke an der Krone wurde im Jahr 1773 durch eine Unwetterkatastrophe mit starker Flut niedergerissen.   Da die Brücke für Passage von Postgütern und entbehrlich war, wurde sofort mit den Aufbauarbeiten begonnen.   Der Maler Wilhelm Merck wurde am 27. 8. 1782 als Sohn des Kriegsrats Johann Heinrich Merck und seiner Gattin Luise geb. Chabonnier in Darmstadt geboren. Er malte eine Auswahl von Landschaften, meistens Aquarelle von Darmstadt und der näheren Umgebung und den Odenwald.

Die Brücke am Hotel Krone: „Krone-Brück“
Das Aquarell von Wilhelm Merck (reproduziert) ist eine Wiedergabe der Auerbacher Örtlichkeit „Partie an der Krone“ gemalt 1816. Die ursprüngliche Straßenbrücke an der Krone wurde im Jahr 1773 durch eine Unwetterkatastrophe mit starker Flut niedergerissen.
 
Da die Brücke für Passage von Postgütern und entbehrlich war, wurde sofort mit den Aufbauarbeiten begonnen.
 
Der Maler Wilhelm Merck wurde am 27. 8. 1782 als Sohn des Kriegsrats Johann Heinrich Merck und seiner Gattin Luise geb. Chabonnier in Darmstadt geboren. Er malte eine Auswahl von Landschaften, meistens Aquarelle von Darmstadt und der näheren Umgebung und den Odenwald.

 

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