„Bachgasse im Wandel“ Ausstellung der Stadtteildokumentation Auerbach 16.-19. April 2015

17. April 2015

Stadtteildoku

Einführung in die Ausstellung

1910 war die Bachgasse die „Einkaufsmeile“ Auerbachs. Dort gab es u.a. eine ganze Reihe von Metzgereien, viele, viele Biobauern und sogar schon zwei Fahrradläden.

Da ist vor allem ein Betrieb aus der Bachgasse 94 zu nennen, der inzwischen schon lange zu groß geworden ist für eine Einkaufsmeile, nämlich die Korkschneiderei Sanner. Schon damals wurden nicht nur Korken für Weinflaschen hergestellt, sondern bald auch Korken für kleine Tablettenröhrchen und auch Exotisches wie Einlagen in Tropenhelme. Als der Betrieb aus der Bachgasse auszog, hatte er schon 27 Mitarbeiter, blieb aber zunächst noch Korkschneiderei. An seinem neuen Standort nahe dem Bahnhof änderte sich das bald. Aber an der Tradition, in großem Umfang Verpackungen für pharmazeutische Produkte herzustellen, hat man festgehalten. Deutlich über hundert Jahre.

Noch älter ist die Freiwillige Feuerwehr Auerbach. Sie verdankt ihre Entstehung dem Turnverein „Gut Heil 1881“, der eine Turnerfeuerwehr gründete, die schon bald als eigenständige Feuerwehr arbeitete. Dieses Jahr kann sie ihr 125jähriges Jubiläum feiern. (Die Schnellrechner kommen also auf 1890 als Gründungsdatum.)

Über einen Bereich ihrer Tätigkeit kann man sich schon in unserer Ausstellung informieren, nämlich über ihre Einsätze bei den schweren Hochwassern, die Auerbach und nicht zuletzt die Bachgasse immer wieder heimsuchten.

So war am 25. April 1928 die Bachgasse bis zur Krone hin einen halben Meter hoch mit Schutt, Steinen, Holz und Schlamm bedeckt.

In der Wolfsschlucht wurde ein wahrer Kaventsmann von Stein angeschwemmt, den man noch heute dort sehen kann. Seine Inschrift wurde auf Initiative der Stadtteildokumentation aufgefrischt und er selbst deutlicher in Positur gebracht, damit man auf ihn aufmerksam wird.

Tagelang war die Feuerwehr 1928 rund um die Uhr mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

1931, 1965, 1966 und 1983 kam es wieder zu schweren Überschwemmungen mit örtlich teils noch größeren Verwüstungen als 1928.

Dann wurde der Bach (von 1985 bis 1987) vollständig verdolt. Seitdem gab es keine schweren Hochwasser mehr, und die Feuerwehr kann wieder mehr ihrem Namen gerecht werden und muss nicht immer wieder Großeinsätze als „Wasserwehr“ leisten.

Besonders traditionsreich und weit älter als 125 Jahre ist die Dorfmühle, Bachgasse Nr 71.

Schon 1475 wird sie als „Unterste Mühle“ erwähnt und war schon damals die wichtigste Mühle im Tal. Vielleicht geht sie sogar auf die Bauzeit des Auerbacher Schlosses Mitte des 13. Jahrhunderts zurück.

Jetzt komme ich zur Bachgasse Nr. 60, zum Rats- und Schulhaus.

Man kann sich streiten, welche Aufgabe wichtiger ist, die oberste Verwaltungsspitze oder die Schule. So viel ist freilich sicher. Schon in die zwei Schulsäle des neu errichteten Hauses zogen 300 Schüler ein. Es blieb aber nicht bei 150 Schülern pro Saal – nebenbei gesagt, eine Zahl, die das Herz jedes heutigen Finanzministers höher schlagen ließe. Und deshalb musste das Haus bald aufgestockt werden für zwei neue Säle. Wenn man die Größe der heutigen Schlossbergschule mit der des Rat- und Schulhauses vergleicht, kann man sich denken, welche Erlösung es für Schüler und Lehrer war, als 1911 die Schlossbergschule gebaut wurde.

Der Bürgermeister hatte freilich angesichts der immer steigenden Schülerzahlen schon 1906 anderswo ein Unterkommen gesucht und gefunden und kehrte erst nach dem Schulneubau ins Rathaus zurück.

Ein wichtiger Bestandteil der Auerbacher Bevölkerung waren auch die jüdischen Familien. Sie hatten sogar eine eigene Schule, in der mit Sicherheit nicht 150 Schüler und Schülerinnen pro Klasse saßen.

Die Schule ist abgerissen, aber die Synagoge steht noch und zwar in Bachgasse Nr.30.

Dass sie erhalten ist, verdanken wir zwei Umständen: Zum einen der Tatsache, dass der Vorsteher der jüdischen Gemeinde die Synagoge schon 1934 verpachtet hatte, so dass beim Pogrom von 1938 der Besitzer sich dagegen verwahrte, dass sein Arbeitsplatz abgefackelt werden sollte. Zum anderen aber dem Umstand, dass die Stadt Bensheim, als 1974 die Synagoge abgerissen werden sollte, in der Synagoge ein baugeschichtlich wichtiges Gebäude erkannte und zusammen mit der Hessischen Denkmalpflege für die Außenrenovierung großzügige Mittel zur Verfügung stellte.

Eine andere Erinnerung an die jüdischen Bürger sind die 12 Stolpersteine, die in Auerbach verlegt worden sind. Die Informationen auf den Steinen sind freilich sehr knapp gehalten. Ausführlichere findet man heute in unserer Ausstellung, sonst sind sie auch auf der Homepage des Synagogenvereins zu finden.

Zu den jüdischen Familien zählte auch ein Zweig der Familie Rothschild. Leider nicht der Zweig der Großbankiers, sonst wäre Auerbach heute vielleicht Konkurrent von Frankfurt und London. Unser Rothschild beherrschte nicht die Börse, sondern betrieb im Haus Bachgasse 8, das nicht mehr steht, eine Nussdörre.

Die Walnussbäume müssen damals gesünder gewesen sein als heute. Denn allein in der Bachgasse gab es mindestens zwei Nussdörren und im kleinen Hambach sogar drei, wo über Feuern aus Stockholz die Nüsse in großem Stil getrocknet wurden.

Empfehlen möchte ich Ihnen auch, sich über das alte evangelische Pfarrhaus in der Bachgasse Nr.39 zu informieren, an dessen Stelle heute das evangelische Gemeindezentrum steht. Bei dieser Gelegenheit liest sicher mancher auch gern etwas über die Glockenweihe von 1950 in der Bergkirche.

Weit über die Grenzen Auerbachs hinaus bekannt war die „Winzerstube Kaltwasser“, Bachgasse Nr.17.

Als Michael Kaltwasser dort 1891 eine Zapfwirtschaft einrichtete, hieß sie freilich noch so, wie es auch der Heilsarmee gefallen hätte, nämlich „Zum frischen Quell“. Doch Michaels Sohn Fritz Kaltwasser begann dann mit dem Anbau von eigenem Wein und benannte die Gaststätte folgerichtig um in „Winzerstube Kaltwasser“. Jetzt wurde sie so beliebt, dass er bald weitere Weinberge anlegen musste, um den Bedarf mit eigenem Wein befriedigen zu können. Auch heimste er erfolgreich viele Preise für seine Weine ein, doch auch seine anderen kulinarischen Spezialitäten wie Odenwälder Kochkäs, Wurstplatten, Bratwürste und Winzerstubensteaks trugen wesentlich zum Erfolg bei.

Die Gastwirtschaft ist mit wechselnden Betreibern bis heute erhalten geblieben. Doch der Name hat gewechselt, freilich nicht zurück zu „Zum frischen Quell“, sondern Gemütlichkeit verheißend zu „Hansi’s und Lolly’s Stübchen“, das zur Zuflucht für Raucher geworden ist.

Walter Böhme

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Dorfmühle

Bachgasse Auerbach

Die folgenden drei Bilder kann man durch zweimaliges Anklicken so vergrößern, dass die Schrift lesbar wird.

Es handelt sich um den Aufsatz von Hannelore Volk über Pfarrer Karl Leydhecker.IMG_6098_SnapseedIMG_6099_SnapseedIMG_6100_Snapseed

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Sonntägliche Impressionen von der Ausstellung, 21.4. 2013

21. April 2013
Die Bergkirche, wie sie im Festzug bei der Auerbacher Kerb duch die Straßen zog.

Die Bergkirche, wie sie im Festzug bei der Auerbacher Kerb duch die Straßen zog.

Mancher musste Schlange stehen

Mancher musste Schlange stehn, um die Bilder nur zu sehn.

Hier wird fleißig erläutert.

Hier wird fleißig erläutert.
Vor und nach dem Rundgang konnte man sich stärken.

Vor und nach dem Rundgang konnte man sich stärken.

Das Schein bedankt sich für manch großzügige Spende.

Das Schwein bedankt sich für manch großzügige Spende.


Ausstellung der Stadtteildokumentation vom 18.4.-21.4.13

15. April 2013

Zu sehen sein werden Bilder von Fürstenlager,  Bergkirche und  Ludwigstraße.

Am Donnerstag, d. 18.4., um 19:00 findet die Vernissage im Bürgerhaus Kronepark statt.

Am Freitag, d.19.4.,  ist die Ausstellung von 14-19:00 Uhr

am Samstag von 10-19:00 Uhr

am Sonntag von 10-18:00 Uhr jeweils  im Bürgerhaus Kronepark geöffnet.

Die Stadtteildokumentation Auerbach lädt wieder zu einem Spaziergang durch die Geschichte des Luftkurorts ein. Die Ausstellung, die am 18. April im Bürgerhaus Kronepark eröffnet wird, konzentriert sich auf das Fürstenlager, die Bergkirche und die Ludwigstraße.

Damit verspricht die neunte Auflage einen besonderen Akzent zu setzen. Sie umkreist eine typische Route vieler Sonntagsspaziergänger und öffnet die Augen für eine neue Sicht und für eine sensiblere Wahrnehmung.

Der Rundgang durch die „Bilderwelt“ zeigt in über 400 Fotos und Dokumenten selbst im allseits bekannten Fürstenlager auch kleine Juwelen, die nicht im Blickfeld von Besuchern der ehemaligen adeligen Sommer-Residenz stehen. Das idyllische Kleinod bot Raum für Kultur. Schon Anfang der 30er Jahre wurden hier bekannte Theaterproduktionen gezeigt.

Die „Tour de Fürstenlager“ führt zur Grotte, zum Luisen-Denkmal und zur Eremitage und setzt sich über den Höhenweg vorbei an der Ludwigslinde und dem Freundschaftstempel bis zur Bergkirche fort. Weitere Stationen sind die russische Kapelle, die wegen „Ungeziefers“ abgerissen werden musste, und das ehemalige Teehaus.

Die Ludwigstraße mit ihren abzweigenden Gassen entstand Ende des 19. Jahrhunderts.

Am Fuße der Höhen siedelten sich Bauernhöfe, Gärtnereien und eine Vielzahl an Geschäften und Gewerbebetrieben an: Gemischtwarenhandel, Fotoatelier, Wäscherei und Bäckerei.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Ausstellung auf Karl Richard Ris, der sich im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 besondere Verdienste erworben hatte. In seinem Haus am Hochzeitsweg lebte er seine Künstlernatur aus und widmete sich der Musik und Malerei. Einige seiner Exponate sind noch erhalten.

Seine Tochter* Tilla Ris leitete im Zweiten Weltkrieg als Hilfsschwester das Lazarett im Hotel Weigold. Älteren Auerbacher Bürgern ist sie sicherlich noch in Erinnerung.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 12.04.2013

*Kleine Korrektur von seiten der Stadtteildokumentaristen: Tilla Ris war die  Ehefrau von Karl Richard Ris und nicht seine Tochter. Außerdem hatte sie im 1. Weltkrieg als Hilfsschwester das Lazarett im Hotel Weigold geführt und nicht  im 2. Weltkrieg .

Am 30.3. berichtete der Bergsträßer Anzeiger noch ausführlicher:Fürstenlager_Neu

Fürstenlager Bensheim-Auerbach (Copyright Bergsträßer Anzeiger und Neu)

AUERBACH. Die Stadtteildokumentation lädt wieder zu einem Spaziergang durch die Geschichte des Luftkurorts ein. Die diesjährige Ausstellung, die am 18. April im Bürgerhaus Kronepark eröffnet wird, konzentriert sich auf das Fürstenlager, die Bergkirche und die Ludwigstraße.

Damit verspricht die neunte Auflage einen besonderen Akzent zu setzen. Sie umkreist eine typische Route vieler Sonntagsspaziergänger und öffnet die Augen für eine neue Sicht und für eine sensiblere Wahrnehmung.

„Drecksbau“ auf Pfählen

Der Rundgang durch die „Bilderwelt“ zeigt in über 400 Fotos und Dokumenten selbst im allseits bekannten Fürstenlager auch kleine Juwelen, die nicht im Blickfeld von Besuchern der ehemaligen adeligen Sommer-Residenz stehen. Der Fremdenbau, der in Auerbacher „Mundart“ als „Drecksbau“ galt, zeichnet sich durch eine besondere Konstruktion aus.

Er steht auf Eichenpfählen. Im langgestreckten Küchentrakt sorgte seinerzeit eine Kegelbahn für Zeitvertreib. Die ehemalige Konditorei diente über Jahrzehnte hinweg als Jugendherberge. Die Ausstellung erinnert zudem an den Hof- und Theatermaler Ernst-August Schnittspahn, dem 1872 nach 50 Dienstjahren das Ritterkreuz II. Klasse des Ludwigsordens verliehen wurde.

Das idyllische Kleinod bot Raum für Kultur. Schon Anfang der 30er Jahre wurden hier bekannte Theaterproduktionen gezeigt.

Die „Tour de Fürstenlager“ führt zur Grotte, zum Luisen-Denkmal und zur Eremitage und setzt sich über den Höhenweg vorbei an der Ludwigslinde und dem Freundschaftstempel bis zur Bergkirche fort. Weitere Stationen sind die russische Kapelle, die wegen „Ungeziefers“ abgerissen werden musste, und das ehemalige Teehaus.

„Es steht ein Baum im Odenwald“ – in seinen romantischen Gedichten setzte der bekannte Dichter Ernst Pasqué der Natur ein Denkmal. Ihm ist vor der Friedhofsmauer mit Blick auf das Hochstädter Tal ein Platz gewidmet.

Eigenbrodt-Brunnen

Der Eigenbrodt-Brunnen, nach Entwürfen des Architekten Heinrich Metzendorf und vom Künstler Scholl aus gelbem Sandstein mit Rautenverzierungen 1910 gebaut, erinnert an den ehemaligen Pfarrer und Vorsitzenden des Verschönerungs- und Kurvereins Auerbach.

Die Bergkirche hat eine lange Geschichte. Als einziges greifbares Datum für den Bau steht 1479 fest. Die Jahreszahl ist am spätgotischen Gewände eingehauen. Allerdings deutet die alte Bausubstanz an der Südwand darauf hin, dass sie bereits in der romanischen Zeit bestanden haben muss.

Im Inneren kann das Gotteshaus mit schönen Juwelen aufwarten. Dazu zählen die Kirchentür aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die auf Betreiben von Wilhelm Busch vom Kirchenvorstand in den 70er Jahren restauriert wurde, die Glocken oder das Triumphkreuz aus der Spätrenaissance. Der Weg führt über die Wolfsschlucht in die Ludwigstraße. „Mag lauern und trauern wer will hinter Mauern, ich fahr in die Welt“ mag dem Wanderer die Inschrift auf dem Scheffel-Platz Motivation zum Aufbruch geben.

Der Ort ruft die revolutionäre Zeit im 19. Jahrhundert in Erinnerung, in der der Schriftsteller Dr. Joseph Victor Scheffel rettenden Unterschlupf im Parkhotel Krone fand.

Gewerbe in der Ludwigstraße

Die Ludwigstraße mit ihren abzweigenden Gassen entstand Ende des 19. Jahrhunderts.

Am Fuße der Höhen siedelten sich Bauernhöfe, Gärtnereien und eine Vielzahl an Geschäften und Gewerbebetrieben an: Gemischtwarenhandel, Fotoatelier, Wäscherei und Bäckerei.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Ausstellung auf Karl Richard Ris, der sich im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 besondere Verdienste erworben hatte. In seinem Haus am Hochzeitsweg lebte er seine Künstlernatur aus und widmete sich der Musik und Malerei. Einige seiner Exponate sind noch erhalten.

Seine Tochter Tilla Ris leitete im Zweiten Weltkrieg als Hilfsschwester das Lazarett im Hotel Weigold. Älteren Auerbacher Bürgern ist sie sicherlich noch in Erinnerung. Heute wohnen in dem Quartier die Sängerin Deborah Sasson und der Schauspieler Walter Renneisen. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 30.03.2013

Stadtteildoku AuerbachMitglieder der Stadtteildokumentation Auerbach (von links): Günther Volk, Gerhard Lützkendorf, Fritz Krauß, Udo Lang, Erhard Mathisiszik, Heidemarie Kilian,  Sieglinde Rindfleisch, Anja Männer, Hannelore Volk, Alexander Klemm  (Copyright Bergsträßer Anzeiger und OH)

Das Fürstenlager bei Kulturdenkmäler in Hessen

Die Bergkirche bei Kulturdenkmäler in Hessen

Die Ludwigstraße bei Kulturdenkmäler in Hessen


Ausstellung April 2012: Rund um den Schlossberg

21. April 2012

Erste Besucher

Erste Besucher

Grafenstraße und Wilhelm-Leuschner- Straße

Grafenstraße und Wilhelm-Leuschner-Straße

Ausstellungseröffnung

Bürgerhaus Kronepark

Donnerstag, 19.4. 19:00

Öffnungszeiten

Freitag, 20.4., 14:00 – 19:00

Samstag, 21.4., 10:00 – 19:00

Sonntag, 22.4., 10:00 – 18:00

Architekturgeschichtliche Beschreibung des Villenviertels