125 Jahre Feuerwehr: Früher und heute

17. November 2015

JUBILÄUM: Interessanter Vortrag von Andreas Brückmann

Knüpft die Feuerwehr von heute an die Traditionen vor 125 Jahren an – oder hat die Organisation mit ihrem Vorgänger so viele Gemeinsamkeiten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Otto von Bismarck, Reichskanzler des Deutschen Kaiserreiches? Andreas Brückmann, junger Feuerwehrmann, spürte der Chronik nach, und durchforstete alte Akten und Protokolle, um ein Bild der Institution zu entwerfen. Die Ergebnisse stellte er zu einer Präsentation zusammen, die bewies, wie spannend Geschichte sein kann, wenn einzelne Knoten zu einem großen Ganzen gebunden werden. Er füllte die Zeit von 1890 bis 2015 mit markanten Eckpunkten, die durchaus eine Kontinuität erkennen lassen.

Mit vereinten Kräften

Der Brandschutz in Auerbach war schon immer eine Gemeinschaftsaufgabe aller Bürger. Wenn es brannte, wurde mit vereinten Kräften gelöscht. Schon 1840, 50 Jahre vor der Geburt des Feuerwehrvereins, wurde in Auerbach eine Feuerspritze eingesetzt. Die Anfänge des Brandschutzes in Auerbach (Link zu einer pdf-Datei von Andreas Brückmann) Im Laufe der Zeit machten sich Bestrebungen breit, die Aufgabe in feste Strukturen zu fassen. 1882 gab es einen ersten Versuch zu einer Vereinsgründung, der allerdings versandete. 1890 folgte ein weiterer, der jetzt aber in die Gründung der Turner-Feuerwehr mündete. Die ersten Einsätze (Link zu einer pdf-Datei von Andreas Brückmann) Dass sich Feuerwehren aus Sportvereinen heraus bildeten, war laut Brückmann nichts Ungewöhnliches. Die Mitglieder brachten eine gewisse sportliche Fitness ein, ein Kriterium, das der Referent auch in der heutigen Wehr wiedererkennt. Wer etwa Atemschutzgeräteträger ist, kennt die Strapazen.

Gründung: 5. Juli 1890

Die Gründung der Feuerwehr in Auerbach (Link zu einer pdf-Datei von Andreas Brückmann) Andreas Brückmann legte eine Geburtsurkunde des Vereins vor: Das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 5. Juli 1890. 1892 berichtete der BA von einem Umzug der Wehr in „kleidsamer Uniform“, die durch eine Christbaumverlosung finanziert wurde. Die Stunde 0 (Link zu einer pdf-Datei von Andreas Brückmann) Eine Parallele zur Gegenwart: Auch heute sei die Feuerwehr bestrebt, durch Engagement, durch Veranstaltungen und Spenden Gelder zu erwirtschaften, um in die eigenen Arbeitsbedingungen investieren zu können. Gegenwart (Link zu einer pdf-Datei von Andreas Brückmann)

Dass sich trotz aller Kontinuität im Zeitalter der Neuen Medien vieles verändert hat, steht auFeuerwehr Ehrung 2015ßer Frage. Der Referent markierte in seinem interessanten Vortrag die roten Fäden, die als Konstante die 125 Jahre durchziehen: „Die Kameradschaft innerhalb der Feuerwehr, die Hilfsbereitschaft für andere, ein hohes Engagement und ein gutes Gespür für eine Balance zwischen Tradition und Modernität.“ moni © Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 17.11.2015


Seit 25 Jahren Stadtteildokumentation in Bensheim

5. November 2012

Bericht des Bergsträßer Anzeigers:

Seit 25 Jahren Vergangenes mit der Gegenwart verknüpft

AUERBACH. Der 25. Geburtstag der Stadtteildokumentation Bensheim ist Beleg für ein dicht gewebtes Netzwerk von unermüdlich forschenden und archivierenden „Netzwerkern“. Dass es in seinem so langen Zeitraum zwischendurch einmal zu kurzfristigen Ermüdungserscheinungen und zur vorübergehenden Erschlaffung kommt, liegt in der Natur der Sache.
Dass nicht in allen Stadtteilen gleich viele, bis in die Haarspitzen engagierte Geschichts- und Geschichtenforscher in ihrer Freizeit in alten Dokumenten, Kellern und auf Dachböden stöbern, aussortieren, dokumentieren und schließlich der Öffentlichkeit präsentieren, ist auch eher normal. Entscheidend ist letztendlich, dass es dem Stab an ehrenamtlichen Mitarbeitern gelingt, die Identität ihres Stadtteils aufzuspüren, festzuhalten und – für ein stimmiges Gesamtbild – die Erinnerung an Vergangenes wach zu halten. In fast allen Stadtteilen ist dies der Fall – von Zell, das vor 25 Jahren den Anfang gemacht hat, bis Hochstädten, das jährlich zu einer Ausstellung mit Schwerpunktthema einlädt.
Für die Stadt war das Silberne Jubiläum ein Grund zum Feiern und Danke zu sagen. Bürgermeister Thorsten Herrmann rühmte beim Festakt im Bürgerhaus Kronepark die bei ihrer Gründung „einzigartige Einrichtung“ sowie die Gründungsväter und Motoren der Stadtteildokumentation, zu denen er neben Ehrenbürgermeister Georg Stolle auch Ehrenstadtrat Volker Feick zählte: „Sie alle haben ein Stück Geschichte geschaffen“, stellte er unmissverständlich fest.
Hermann erwähnte in diesem Zusammenhang ebenso die Ortschroniken von Zell, Gronau, Schwanheim, Langwaden, Schönberg und zuletzt Hochstädten, die ohne die grundlegenden Forschungen der ehrenamtlich tätigen Arbeitskreise in dieser Tiefe nicht möglich gewesen wären. Er wünschte sich, dass sich die Stadtteile ihrer eigenen Identität bewusst sind und bleiben und gleichzeitig ihre Stärke in den Gesamtverbund der Stadt mit einbringen.
Nur wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und kann die Zukunft menschlich gestalten. Diesen von vielen zitierte Satz des Sozialisten August Bebel hatte Volker Feick an den Beginn seines Rückblicks gestellt, in dem er die, von Anbeginn an reibungslose Zusammenarbeit der Arbeitskreise mit Parlament, Verwaltung und Archiv hervor hob. Er sprach von einem „Gesprächskreis der Wohlgesonnenen“ und engagierten Ehrenamtlichen. 1987 wurden die „Richtlinien für die Erstellung von Stadtteildokumentationen“ vom Magistrat geschlossen. Das Ergebnis: „Eine einmalige Erfolgsgeschichte für die Stadt und ihre Bürger“.
Wesentlichen Anteil am Aufwärtstrend sprach Feick dem Leiter des städtischen Archivs, Manfred Berg und dem Team Stadtkultur mit seinem Leiter Thomas Herborn zu. Darüber hinaus sprach er stellvertretend für alle Mitarbeiter der Arbeitskreise Berthold Mäurer, Dr. Rolf Reutter, Veronika Finn und Ursula Seeliger sowie Klaus Seeger, Werner Borger, Wolfgang Ritsert, Manfred Filbert und Hans Kilian seinen Dank aus.
„Die Verantwortung für den Erhalt der historischen und kulturell bedingten Individualität der Stadtteile Bensheims führt zu einem Reichtum, mit dem die Stadt wuchern kann“, zitierte er aus dem Hochstädter Heimatbuch den langjährigen Leiter des Hochstädter Arbeitskreises, Herbert Fuchs.
„Es gibt keine endgültige Darstellung von Geschichte“, führte Dr. Rolf Reutter den Festgästen in seinem Vortrag vor Augen und schickte eine Mahnung gleich hinterher: Durch Ideologien, Kriege und Vergessenheit sei die geschichtliche Darstellung gefährdet. In seinem Festvortrag „500 Jahre ortskundliche Forschung im Rhein-Main-Neckar-Raum“ machte Reutter deutlich, wie wichtig es ist „Vergangenes zu bewahren“. Dies werde unter anderem erreicht durch Denkmäler, Sammlungen, Museen und Schriften.
Zwischen gestern und heute zählte der Referent aber noch zahlreiche weitere Aktionen auf, bei denen „Fleißarbeiter“ ein umfangreiches Schriftgut, Wanderführer, Jahresbücher, Chroniken veröffentlicht und Familien- und Ahnenforschung betrieben haben. Ab dem Jahr 1840 sei die Region Bergstraße/Odenwald/Ried mit einer ungeheuren Fülle an Wanderführern geradezu überschwemmt worden. Auch die Bensheimer und Bergsträßer Geschichtsblätter und die Mitteilungen des Museumsvereins Bensheim verfolgten das Ziel, Vergangenes mit der Gegenwart zu verknüpfen.
Als Ortschronisten von Format benannte er unter anderem Karl Henkelmann, Peter Knapp, Richard Matthes sowie zuletzt Rainer Maaß und Manfred Berg. Karl und Dieter Blüm hätten sich ebenfalls um die Heimatgeschichte verdient gemacht. Musikalisch gestaltet wurde der Festakt vom Trio Sereno aus Auerbach. gs
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 05.11.2012